Friedensnetz Baden-Württemberg
01.10.2015
am 27. September starb Peter Strutynski

In memoriam Peter Strutynski

Nachruf von Prof. Werner Ruf

Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 9. Oktober 2015, um 12.15 Uhr  in der Kapelle des Westfriedhofes Kassel, Heinrich-Schütz-Allee, statt. Die anschließende Urnenbeisetzung wird  ausschließlich im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden.  

Peter Strutynski wurde im Mai 1945 in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Salzburg geboren. Seine Familie stammte aus Czernowitz in der Bukowina in der westlichen Ukraine. Er studierte und promovierte in Politikwissenschaft an der Universität München. Seit 1977 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor fünf Jahren war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel.

Peter war Wissenschaftler, zugleich war er ein durch und durch politischer Mensch. In diesem Sinne war für ihn die Politikwissenschaft ein normativer Auftrag, sie hatte einen Beitrag zu leisten für eine gute, d. h. demokratische und friedliche Gesellschaft. Diesem Auftrag fühlte er sich verpflichtet. Wissenschaft fand für ihn nicht im Elfenbeinturm statt, sie hatte ihren Platz in der Gesellschaft, bei den Menschen. Ihnen und ihren Interessen hatte sie zu dienen. So fielen für ihn Forschung, Lehre und gesellschaftspolitisches Engagement zusammen und kristallisierten sich im Kampf für den Frieden. Seiner Initiative war die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Friedensforschung an der Universität Kassel zu verdanken, in der wir mit einigen engagierten Kolleginnen und Kollegen über viele Jahre zusammen arbeiteten. Unter dem Dach dieser AG entstand das Projekt der homepage (http://www.ag-friedensforschung.de), die Peter mit großer Energie und enormem Zeitaufwand pflegte. Diese homepage mit ihren bis zu über 100.000 Zugriffen/Monat entwickelte sich zu einer zentralen Dokumentationsstelle der Friedens- und Konfliktforschung, die sowohl von Studierenden wie auch von Forscherinnen und Forschern wie von unterschiedlichsten Organisationen weltweit genutzt wird.

Getreu seinem Verständnis von Friedensforschung mobilisierte Peter Strutynski auch in der Stadt Kassel, wo er Jahrzehnte lang führend im Friedensforum tätig war, Studien zur Rüstungskonversion in der stark von der Rüstungsindustrie geprägten Stadt Kassel betrieb. In Zusammenarbeit mit dem Bundesausschuss Friedensforschung war Peter Veranstalter des seit 1994 an der Universität Kassel durchgeführten „Friedensratschlags“, einer der Großveranstaltungen der Friedensbewegung, auf der sich jährlich bis zu 400 Friedenswissenschaftlerinnen und Friedenswissenschaftler mit Friedensinitiativen und -gruppen aus ganz Deutschland zum Informationsaustauch treffen. Peter war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Friedensforschung (AFK), jener Organisation, in der die akademische Friedensforschung interdisziplinär zusammenarbeitet wie auch des Gesprächskreises Friedens- und Sicherheitspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auch international war seine Kompetenz immer wieder gefragt: Viele Jahre war Peter einer der Eckpfeiler der Sommerakademien und der state-of-peace-Konferenzen des Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung.

Neben seiner publizistischen Tätigkeit - verwiesen sei hier nur auf die beiden im vergangenen Jahr erschienen Bände zum Ukraine-Konflikt und zur Drohnenproblematik - ließ Peter es sich nicht nehmen, auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand weiterhin einen Lehrauftrag an der Universität wahrzunehmen, um die Kasseler Tradition der Friedensforschung fortzuführen und diese Disziplin den Studierenden näher zu bringen. Mit Erfolg konnten wir die 1998 begonnene, jedes zweite Semester durchgeführte „Friedensvorlesung“ fortsetzen, die als universitäre Veranstaltung auch dem interessierten Kasseler Publikum offen stand.

In der Nacht vom 26. zum 27. September hat Peter Strutynski seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Er verkörperte in einzigartiger Weise den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und sozialem und politischem Engagement. Sein Tod reißt eine Lücke in die friedenspolitische Landschaft Deutschlands. Sein Wirken aber hat zur Schaffung von Strukturen beigetragen, die weiterhin Bestand haben werden.

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